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Erschöpfung und Angstzustände – keine Fremdwörter, aber trotzdem keine Ahnung

Das mir “das” auch mal passiert, habe ich nicht für möglich gehalten… Natürlich sind Begriffe wie Burnout, Angstzustände oder Depressionen keine Fremdwörter in meiner Generation, dennoch war das für mich undenkbar und sehr weit weg. Ich habe mich vorher nie mit solchen Themen ernsthaft und ausreichend beschäftigt. Das könnte auch der Grund dafür sein, dass ich die ersten Anzeichen nicht erkannt habe und schön bis zum Schluss “weitergerannt” bin – bis es dann wirklich nicht mehr ging. Wenig Wissen + noch weniger Verbundenheit zu mir selber + dem festen Glauben, dass ich genau das mache, was ich machen muss, haben mich schön in ein Burnout katapultiert. Puff und es war da! Wie sich die ersten Anzeichen bei mir gezeigt haben ist wahrscheinlich nur eine von mehreren Möglichkeiten, dennoch möchte ich diese teilen, damit auch du mehr Bewusstsein dafür entwickeln kannst.

Wenn die Angstzustände nicht mehr auszuhalten sind – Wie alles begann nicht mehr zu funktionieren

Es war im Jahr 2015. Mir war klar, dass es sehr schwierig werden wird in China. Aber jetzt einen Rückzieher machen, nachdem bereits mündlich alles zugesagt war, nachdem ich mich voll committed hatte meinem Arbeitgeber gegenüber? Nein, das kam für mich nicht in Frage. Nur keine Schwäche zeigen. Schließlich wollte ich das doch schon immer. Das war doch mein Ziel. Dachte ich zumindest.

Ich kam gerade nach einem 9 wöchigem Probeaufenthalt nach Hause zurück, mit der Annahme, das ich nur wenig später für mindestens 12 weitere Monate nach China reisen werde. Mein Arbeitgeber hatte mich entsendet. Eine Wohnung hatte ich bereits, der Arbeitsvertrag wurde gerade verhandelt und alle waren hellauf begeistert, dass ich die Herausforderung angenommen habe. Alle, außer ich. Ich hatte schon zu diesem Zeitpunkt Angstzustände und war erschöpft. Nur wusste ich das noch nicht direkt und konnte es auch nicht so benennen. Ich spürte nur, dass etwas nicht stimmte.

Als meine Angstzustände immer grösser wurden

Es lief darauf hinaus, das ich ganze vier Monate in Deutschland blieb, bis Visa und Vertrag fertiggestellt waren. In dieser Zeit habe ich einen solchen Erschöpfungszustand entwickelt, solche Angstzustände und absolute Widerstände, dass ich mir kaum vorstellen konnte bei vollem Bewusstsein in den Flieger zu steigen. Bereits zu dieser Zeit spürte ich, das etwas nicht stimmt. Meine Vermutung “damals” war, dass ich einfach keinen Grund habe von Zuhause zu flüchten. Das ich mich einfach wohl fühle und dort bleiben will. Bei meinen Freunden, Eltern und meiner Freundin. Ich wollte mein Leben einfach so weiterführen. Es war doch alles gut! Mein Ego, Pflichtbewusstsein und die starke Ignoranz meiner Gefühle führten mich dann doch zum Flughafen und ich trat die Reise an.

Wie ich glaubte, mit meinen Angstzuständen umgehen zu müssen

Natürlich habe ich mir vorher einen Plan gemacht, wie ich das alles überstehen kann. Natürlich war ich vorher beim Arzt, habe mir ein leichtes Antidepressivum und Tabletten gegen Angstzustände geholt… Natürlich war ich gut vorbereitet. Heute kann ich nur mit dem Kopf schütteln, wenn ich daran denke. Wieso sollte ich Tabletten nehmen müssen, um meinen Erschöpfungszustand zu trotzen? Wieso sollte man Tabletten nehmen, um seinen Job aushalten zu können? Wieso dachte ich nur, dass mich die Tabletten “retten” werden? Sie waren meine Sicherheit, so dass ich dem Druck standhalten konnte. Das ist doch der Wahnsinn! Zu dem Zeitpunkt wusste ich mir jedoch nicht besser zu helfen.

Wie die Anzeichen auf Burnout immer stärker wurden

Vor Ort versuchte ich strikt meinem Plan zu folgen. Neben der herausfordernden Arbeit, als Alien in einer sehr fremden und unterschiedlichen Kultur, lernte ich neue Leute kennen, zog in eine schöne Wohnung, fuhr viel mit dem Rad durch die Stadt und fing an Yoga zu praktizieren. Obwohl die äusseren Gegebenheiten so positiv waren und ich viele tolle Dinge erlebte, die mir eine Kleinstadt in Deutschland niemals hätte bieten können, wurde ein Prozess tief in mir losgerüttelt. Ein Schmerz, eine Verletzung – ein Ungleichgewicht – was nicht durch die Bemühungen im Außen ausgeglichen werden konnte. Die Balance zwischen meiner Seele und meinen Taten war zu groß. Daher wurde ich immer unglücklicher. Immer erschöpfter vom täglichen Leben. Konnte bald nicht mehr schlafen. Bekam Angstzustände. Ich merkte, wie ich immer negativer und meine Angst immer größer wurde. Kein Besuch von Freunden, kein Skype-Treffen mit meiner Freundin oder meinen Eltern, konnte etwas daran ändern.

Du schaffst das schon

Ständig überlegte ich warum das so ist. Ich wollte das hier doch genauso! Ich habe mich dafür entschieden. Ich verdiene so viel Geld damit. Mein Lebenslauf ist danach unschlagbar. Alle sind stolz auf mich. Es wirkt sehr beeindruckend auf andere. Meine Karriere und Finanzen sind sicher, wenn ich das hier durchstehe und es sind doch nur lächerliche 12 Monate. “Nun stell dich nicht so an”, hörte ich alle Menschen aus meinem Umfeld in meinem Kopf sagen. Das schaffst du schon. Wenn das einer machen kann, dann nur du. …sie meinten es alle nur gut, aber das waren genau die falschen Aussagen.

Die intensive Yoga Praxis hat mich zum einem körperlich sehr gut ausgelastet und zum anderen meinen Geist beruhigt. Dies war mein erster Kontakt zu dieser Welt und ich begriff nur langsam welches Potential sich dahinter verbirgt. Es half mir jedoch langsam und stetig zur Ruhe zu kommen und wieder eine Verbindung zu meinem Körper aufzubauen. Diese neue Verbindung und die Ruhe in meinen Gedanken, bewegte mich dazu das ganze System in dem ich da steckte, in Frage zu stellen. Schaffe ich das? Wer genau ist stolz auf mich? Was bringt mir dieser Eintrag in meinem Lebenslauf wirklich? Warum fühlt sich das alles so falsch an? Warum schmerzt mein Herz wenn ich hier bin? …die Fragen schossen endlos durch meinen Kopf. So schnell, so viele, dass das meinen Erschöpfungszustand zusätzlich verstärkte.

Als ich mich entschied, dass ich es nicht mehr schaffe

Der erste Heimflug stand an und als ich in Deutschland ankam, entschied ich mich relativ schnell nicht wieder zurück zu fliegen. Trotz der heimischen Umgebung und der vertrauten Sicherheit, in der ich wieder war, ging es mir keineswegs besser. Ich war erschöpft. Meine Schlafstörungen, Angstzustände und mein rastloser Verstand waren weiterhin sehr aktiv. Die Fragen, die ich mir stellte, flossen weiterhin durch meinen Kopf. Wurden präziser, detaillierter und letzendlich wusste ich nicht mehr wer ich war.  Alles um mich herum, alles mit dem ich mich identifiziert hatte, war in Frage gestellt. Mit einem mal brach alles weg.

Diagnose Burnout – ein neuer Anfang

Da saß ich nun. Mit einem Krankenschein, der Diagnose Burnout und einem rasenden Schädel voller Gedanken, auf die ich nicht zu reagieren wusste und Gefühlen, die ich nicht verstand. An dem Punkt fing alles an anders zu werden und mein neuer Weg begann. Wie es weiter ging, was ich gelernt habe, was ich daraus gemacht habe und vieles mehr zeige ich dir auf meiner Seite. ♥

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